Der Räuber Hotzenplotz im "Schilderwald"
Da gibt es einen Ort in früher Ost Sudetenland, den der Schriftsteller Otfried Preußler für eine Märchenfigur verwendet hat, die unter dem Namen "Der Räuber Hotzenplotz" um die Welt ging.
Rudolf Bernard ist einer von 300 Hotzenplotzener Landsleuten, die 1946 durch die Vertreibung nach Hof in Bayern kamen. 1952 gründeten sie einen Stammtisch OSSATHAL - HOTZENPLOTZ, der inzwischen 50 Jahre besteht und heute von Rudolf Bernard geleitet wird. Eines ihrer Mitglieder ist Helga Schneider, eine Berlinerin, die eines Tages die Idee hatte, anläßlich dieses Jubiläums der damaligen Heimatstadt ein sichtbares Zeichen der Erinnerung zu setzen, für einen Namen, von dem die meisten Leute sagen "Ach, Hotzenplotz, das ist doch der Ort, wo der Räuber her ist..."
Doch neben dem Ortsschild von Hotzenplotz sollten die Besucher des Hofer Fernweh-Parks auch etwas über die Märchenfigur selbst erfahren, die den Namen des Ortes weltberühmt machte. Man ließ deshalb ein zweites Schild anfertigen, auf dem die Entstehungsgeschichte der Märchenfigur zu erfahren und der Räuber gar selbst abgebildet ist.
Helga Schneider (mit dem Schild des Räubers) und Max Schober, (Hinter Ortsschild Hotzenplotz), Gründungsmitglied des Vereins, den er 50 Jahre lang leitete und dem er jetzt als Ehrenvorsitzender angehört, bei der Übergabe der beiden Schilder an Fernweh-Park Initiator Klaus Beer.
Doch auch weitere Vereinsmitglieder waren zu dem Event gekommen, darunter Marianne Hermann, die mit ihren 92 Jahren zu den ältesten Mitgliedern zählt. Rudolf Reinhold, Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen verstand es in hervorragender Weise, in einem freien Vortrag die wechselvolle Geschichte des Ortes in Mährisch-Schlesien aufzuzeigen. Eine Schilderübergabe, die durch ihre geschichtsträchtige Vergangenheit zur "Schildergeschichte" wurde, wie sie beispielsloser für den Fernweh-Park nicht sein könnte.
Doch wer steckte hinter dem "Zauberwort", das den Namen "Hotzenplotz" nicht nur bei den Kindern dieser Welt zu einem Namen werden ließ, der im Bekanntheitsgrad mit denen der großen Persönlichkeiten der Weltliteratur in nichts nachsteht.
Der Räuber Hotzenplotz
Otfried Preußler, der Schriftsteller, der den Namen "Räuber Hotzenplotz" erfand, über die Idee zu seiner Räuberfigur:
"Wer eines Menschen richtigen Namen weiß, kann geheime Macht über ihn gewinnen und ausüben. Nicht umsonst fürchtet das Rumpelstilzchen die Preisgabe seines Namens.
Und nicht von ungefähr bleibt Rübezahls wahrer Name sein wohlgehütetes Geheimnis.
Die richtige Wahl des Namens für die Hauptpersonen und deren Widersacher spielt die entscheidende Rolle in jeder Geschichte. So sah ich mich der schwierigen Aufgabe gegenüber, einer bestimmten Gestalt den einzigen ihr gemäßen, mir vorerst noch verborgenen Namen zu suchen. Bei meinem "Räuber" stand nur soviel fest, dass er in der Geschichte von Großmutters geraubter Kaffeemühle als Gegenspieler von Kasperl und Seppel auftreten sollte.
Will sich der einzig mögliche Name nicht von selber einstellen, muß man eben versuchen, ihn aufzuspüren. Viele Namen kamen mir da in den Sinn, doch keiner von ihnen taugte für diesen einen, diesen ganz bestimmten Räuber, den ich längst und sehr deutlich vor Augen hatte. Mehr als Polterer, dumm und pfiffig zugleich. Ein augenzwinkerndes Großmaul, das zwar Polizisten in Angst und Schrecken versetzt, nicht aber meine Freunde Kasperl und Seppel. Und schon gar nicht die Kinder, denen ich meine Geschichte erzählen wollte.
So bin ich lange im Dunkeln herumgetappt. Bis sich dann, wie von selbst, eines Tages der Name Hotzenplotz einstellte. Hotzenplotz - passte er nicht wie der Räuberhut auf den struppigen Räuberschädel? Natürlich, das war der Name für meinen Räuber, er ist es von jeher gewesen. Er und kein anderer.
Natürlich wusste ich noch von meiner deutsch-böhmischen Schulzeit her, dass es drüben in Mährisch-Schlesien eine kleine Stadt gab, die diesen kuriosen Namen trug. Warum sollte mein Räuber nicht auch so heißen?
Die ehemaligen Bewohner jenes Städchens in Mährisch-Schlesien, das sich auf neueren Landkarten bloß noch unter der tschechischen Ortsbezeichnung "Osoblaha" verzeichnet findet, mögen es mir nachsehen, dass ich mich mit einem Räuber eingelassen habe, dessen geheimer Name aus der Kombination von elf Buchstaben in einer gewissen Reihenfolge besteht, die ihnen lieb und teuer geblieben ist. Möglicherweise ist es für sie tröstlich zu wissen, dass der Name Hotzenplotz in der Verbindung mit meinen Kasperlgeschichten vielen Millionen Kindern geläufig ist und gern von ihnen gehört oder auch gelesen wird. Nicht nur in Deutschland übrigens.
Und so brachte man auf dem Schild den Namen des weltbekannten Räubers auch in den verschiedenen Sprachen der Welt an:
So heißt der Räuber Hotzenplotz anderswo:
... auf afrikaans: DIE ROWER HOTSENPLOTS
... auf chinesisch: TA TAO TSEI HUO TSCHEN PO
... auf dänisch: ROVEREN RUNKELDUNK
... auf englisch: THE ROBBER HOTZENPLOTZ
... auf estnisch: RÖÖVEL HOTZENPLOTZ
... auf finnisch: RYÖVÄRI HUJAHANKA
... auf französisch: LE BRIGAND BRIQUAMBROQUE
... auf gälisch: Y LLEIDR HOTZENPLOTZ
... auf holländisch: ROVER HOSSEKLOSS
... auf italienisch: IL BRIGANTE PENNASTORTA
... auf japanisch: ODOROBO HOTZENPUROTZO
... auf katalanisch: EL BANDOLER SETCOLTELLS
... auf kroatisch: RAZBOJNIK VADINOSH
... auf lettisch: IL LADER BARNABUN
... auf litauisch: PLESIKAS HOCENPLOCAS
... auf neugriechisch: O KAPETAN-TGREMOULAS
... auf norwegisch: ROVER PANNEBRASK
... auf portugiesisch: O LADRAO CATRABUM
... auf russisch: RAZBOJNIK CHOTSENPLOTS
... auf schwedisch: RÖVAREN HOTZENPLOTZ
... auf slowenisch: RAZBOJNIK ROGOVILLEZ
... auf spanisch: EL BANDIDO SALTODEMATA
... auf ukrainisch: ROZBIJNIK GUTZIK-BUTZIK
Der Räuber Hotzenplotz trat eine Reise durch die Märchenbücher in der ganzen Welt an. Inzwischen hat Otfried Preußlers Räuber viele Hunderte von Inszenierungen in Kindertheatern hinter sich gebracht. Auch auf Schallplatten und Kassetten gibt es ihn und er wurde sogar verfilmt.
Ja, und nun poltert der Räuber Hotzenpotz auch im "Schilderwald" des Hofer Fernweh-Parks, wo man die Geschichte über seine geistige Geburt in Verbindung mit dem Ortsschild von "Hotzenplotz", Krs. Jägerndorf, Reg. Bez. Troppau nachlesen kann. Übrigens an einem eigenen Pfahl, den der Stammtisch "Ossathal-Hotzenplotz" zusätzlich stiftete.