New York New York - auf Schildersuche in Queens
Fast 3 Wochen waren Fernwehpark Initiator Klaus Beer, Erika Beer und Manfred Köhler in New York unterwegs. Hetzten kreuz und quer, kamerabewaffnet, durch die Straßenschluchten, erkundeten mit U-Bahn und Bus, vorallem aber zu Fuß, die 10 Millionen Metropole, liefen den Broadway rauf und runter, von Chinatown zum Empire State Building, vom Ground Zero zum Washington Square, fraßen täglich bis zu 20 Kilometer Asphalt und dokumentierten für ein neues Bildbandprojekt neben Manhattan auch die 5 Boroughs Brooklyn, Queens, Staten Island und natürlich die Bronx. Und trafen in der Wall-Street ntv-Börsenmoderator MARKUS KOCH sowie am Times Square Hollywood Star DENZEL WASHINGTON.
Da das Bildbandprojekt alle Energie bündelte, war kaum Zeit, an Schilder zu denken. Doch Klaus Beer wäre nicht der Initiator des Projekts, würde er nicht auch mit Schildern von NYC nach Hause kommen wollen. Doch die Suche danach entpuppte sich als gar nicht so einfach.
Erster Anlauf
Wo anfangen, in der Riesenstadt? Anlaufstelle war wie immer die City Hall, doch da herrschte Sicherheitsstufe 1. Selbst der Citty Hall Park war großräumig abgesperrt, überall Polizei und Securities. Im City Hall Merchandising Shop des angrenzenden Verwaltungsgebäudes, übrigens gleich neben der Auffahrt zur Brooklyn Bridge, wurde Klaus Beer fündig. Beer: "Ich traute meinen Augen nicht. Gab es doch da originalgetreue Straßenschilder von NYC mit dem Empblem der Lady Lilberty zu kaufen. Für 38,-- Dollar. Natürlich schlug ich sofort zu, erstand "Broadway" und "Times Square" und erkundigte mich bei der Verkäuferin nach der Firma, die die Schilder anfertigt. "Das ist eine Firma in Queens, die macht alle Schilder für New York". Bingo. Ich war auf der richtigen Spur.
Da wir Tage später für den Bildband sowieso den Stadtteil Queens dokumentierten, suchten Manfred und ich am Ende der Aufnahmen natürlich gleich die uns genannte Adresse: "Thomson-Street". Nicht ahnend, dass unsere Schildersuche zur Odysee werden sollte.
Kaum der U-Bahn entstiegen, stehen wir im "Niemandsland". Niemand kennt die "Thomson-Street". Zwei freundliche Polizisten malen uns Es geht entlang einer Riesenbrücke und wir landen in einer High School. Die Hausnummer passt, doch unsere Firma läge auf der anderen Seite des Gebäudes. Wir landen in einem Hochhaus, für dessen Betreten wir uns erstmal identifizieren mussten. Auch wird Name und Uhrzeit unseres Besuchs eingetragen. Eines wissen wir sofort. Das ist nie und nimmer eine Fabrik, in der Schilder für ganz New York angefertigt werden.
Dann rauf in den 5. Stock, Gang links, unendlich lang, dann wieder rechts. Endlich lesen wir an einer Tür die uns genannte Firma: "Department of Transportation". Doch die Tür ist verschlossen. Hinter der Glasscheibe sehen wir leere Büros und einen Farbigen, der ewig telefoniert. Als dieser auflegt, klopften wir an die Scheibe. Der Bedienstete öffnet, ich erklärte ihm meinem Wunsch nach Schilder anhand des Fernwehpark Prospekts und er ruft eine Dame zu sich. Die sagte uns ersteinmal das, was für vermuteten: "Hier werden keine Schilder gefertigt. Und sie können dorthin auch nicht fahren. Ich gebe ihnen aber die Nummer des Pressebüros, unter der sie Ihr Anliegen vortragen können. Die werden sie dann, wenn möglich, weitervermitteln." Ober wir nicht gleich die Adresse der Schilderfabrik bekommen könnten, wie schon einmal in L.A? "Unmöglich. Alles Sicherheitsstufe. Sie müssen erstmal mit dem Pressebüros sprechen..."
Da an diesem Tag niemand mehr ans Telefon geht, rufe ich am nächsten Tag an. Chris vom Pressebüro ist sehr freundlich, will auf die Fernwehpark Homepage sehen und mich zurückrufen. Drei Stunden später, ich bin gerade nochmal am Ground Zero, klingelt das Handy. Chris ist begeistert und gibt "grünes Licht". Ich erhalte die begehrte Adresse der Schilderfabrik. Sie ist auch in Queens, aber ganz woanders, als bei bei unserem ersten Kontaktbesuch vor zwei Tagen.
Auf Spurensuche
Manfred und ich fahren mit der U-Bahn vom Times Square nach Queens. Wir müssen in den Stadtteil Maspeth. Blick aus dem Fenster der hier teils überirdisch fahrenden Bahn: Heruntergekommene Backsteinhäuser, verwahrloste Fabrikhallen, Brückengestänge, verrostet, überall Graffiti an den Wänden. Tolle Gegend. Bei Woodland steigen wir aus. Wir ziehen die Köpfe ein. Zum Greifen nahe rauschen die Jumbos über unsere Köpfe. Der JFK Airport muß ganz in der Nähe sein.
Wir suchen die "58-50 Road"und landen in der "58 street". Das ist was anderes. Wir fragen den nächsten Busfahrer. "Steigen Sie ein, müsste in meiner Richtung liegen". Es geht kreuz und quer durch Queens. Schmuddelige Gegend zuerst, dann nette, teils schicke kleine Einfamlienhäuschen. "Aussteigen". Der Fahrer gibt uns ein Zeichen. Da stehen wir nun und sind so schlau wie vorher. Wo ist nur diese Straße. Wir fragen Dutzend Mal und keiner weis es. Auf unserer U-Bahn Karte, mehr haben wir nicht, ist sie natürlich nicht zu finden. Wir fragen weiter, jeden, der uns über den Weg läuft. Doch niemand hat eine Ahnung. Jemand nennt eine Richtung, in die wir nun laufen. Aber das ist reines Wohngebiet. Hier kann niemals eine Schilderfabrik ansässig sein.
Ein Mann steht gelangweilt mit einem Kaffetopf am Zaun. Auch er hat keine Ahnung, verweist uns aber an einen 10 Meter weiter vor einem Haus werkelnden Mann. "Fragen Sie Larry mal da vorne, der muß es wissen." Wir fragen Larry. Der ist gerade dabei, Müll in Säcke zu kippen, schaut uns mit ungläubigen Augen aus einer Riesenbrille an. Murmelt unverständliches, macht nicht den intelligentesten Eindruck. "Larry muß es wissen..."
Wir kommen wieder an Zaun des kaffetrinkenden Menschen vorbei. Doch der hat sich innerhalb einer Minute wohlweislich verzogen. Ich komme mir vor wie bei den Chinesen. Einfach irgendwo hinschicken, egal ob es stimmt der nicht und ja nicht zugeben, dass man nichts weis.
Wir fragen in einer Tankstelle. "Ja, die Straße ist gleich um die nächsten Ecke". Minuten später sind wir dort. Doch das ist die "58Ave", wir aber suchen die "58 Road", und keinesfalls die "Street". Den "58 Drive" haben wir auch schon gesehen. Es ist zum Wahnsinnig werden.
Endlich werden wir fündig. An einem Straßenschild entdecken wir "Road". Jetzt müssen wir nur noch die Hausnummer 58-50 suchen.
Im Schilder-Paradies
"Geschafft!" - Endlich !!!. Die größte Schilderfabrik Amerikas unter kommunaler Verwaltung, mit Sitz in New York/Queens, ist gefunden.
Klaus Beer und Manfred Köhler stehen vor dem Eingang "56-50 Road", sozusagen an der Pforte zum New York City-Schilderparadies. Das Herz von Klaus klopft bis zum Hals. Endlich ist der "Schilderschatz" gefunden. Was wird uns wohl erwarten?
"Department of Transportation" ist auf dem großen Schild über der Türe zu lesen. War das eine Odysee.
Klaus Beer erklärt der Firmenleitung anhand des Fernwehpark Prospekts das Hofer Schilderprojekt und sein Anliegen, einige gebrauchte Schilder von NYC erhalten zu wollen. Die Verantwortlichen hören interessiert zu, zeigen ich sehr aufgeschlossen und bieten uns erstmal eine Führung durch die Schilderfirma an. Drei maßgebliche Führungskräfte der Schilderproduktion nehmen sich höchstpersönlich für uns Zeit und zeigten uns alle Stufen des ntstehungsprozesses.
Anthony Galgan, Deputy Chief von Borough Engineering von New York City Department of Transportation (DOT) selbst übernimmt die Hauptführung und erklärt uns den Arbeitsablauf in den einzelnen Abteilungen, hier im Gespräch mit Manfred Köhler, der zugleich die Reportage für den Bildband NYC führt.
"Hier werden die Bleche auf die entsprechenden Schildergrößen gestanzt" und große Schilder zwecks Windbeständigkeit mit Verstrebungen versehen", erklärt Mr. Galgan.
![]() |
![]() |
Nicht mehr benötigte Schilder werden keinesfalls weggeworfen, sondern mit Grundfolie überklebt und entsprechend neu beschriftet.
![]() |
![]() |
Bevor ein neues Schild in Produktion geht, wird natürlich ein Auftrag erstellt, in dem die Maße und Beschriftung festgelegt sind. Nur mit diesem Packzettel kann die Anfertigung erfolgen.
Da es in New York laufend neue Straßennamen gibt, werden diese ersteinmal auf dem Computer entworfen.
Manfred Köhler und Klaus Beer sind nun bei den für den Fernwehpark interessanten Schildern, den Straßen- und Ortsschildern angelangt.
Hier wird gerade ein großes Schild mit der Aufschrift "Queens Botanical Garden" erstellt.
Aber auch Verkehrszeichen und Hinweisschilder werden angefertig, in Massenproduktion. Im Moment sind gerade ein Stapel frischlackierter "Pfeile" am Abtrocknen.
Auch werden mit Graffiti besprühte Schilder wieder gereinigt.
Von den 1,3 Millionen Verkehrszeichen, die in New York angebracht sind, müssen jährlich 100.000 wegen Vandalismus, Diebstahl oder Beschädigung durch Unfälle ersetzt werden, und dieses Aufgabe liegt beim Department of Transportation New York. Im großen Schilderlager können Bestellungen der 5 Boroughs Manhattan, Brooklyn, Queens, Staten Island und der Bronx sofort ausgeführt werden.
Auf den Weg durch die Abteilungen entdecken wir riesengroße Schilder, die auf besondere Anlässe hinweisen, wie zum Beispiel auf die "NYC Celebrates The 100th Anniversary of Greater New York."
Auch ein Schild der "NYC Yankees der 1998 World Series Champions" ziert die Fertigungshalle.
Ebenso erinnert ein Riesenschild an Space Shuttle Commander Senator John H. Glenn.
Klaus Beer kann sich gar nicht satt sehen. Traumschilder, wohin er blickt, nur alle zu groß, um nach Deutschland transportiert zu werden. Doch dieses Schild von der Brooklyn Bridge wäre was. Doch Klaus hat noch nicht den Mut, zu fragen, ob er es haben könnte, da es als ganz besonderes Schild dekorativ diese Abteilung ziert.
Klaus Beer ist ein einem Schilderrausch. Wenn er nur dieses Schild von MANHATTAN bekommen könnte.
Einige Meter weiter liegt an Stapel "historischer Straßenschilder", neu angefertigt für die Straßen New Yorks.
Da entdeckt Klaus Beer hinter einer Maschine ein Superschild mit der Aufschrift: "The Bronx". Klaus fasst sich ein Herz und fragt, ob er dieses nicht erwerben könnte.
Wie man sieht, ist die Anfrage mit Erfolg gekrönt.
Bei der Führung gelangt man auch in die Abteilung der "gebrauchten" Schilder. Diese Abteilung wurde von Klaus Beer sehnlichst erwartet, konnte er doch ein Jahr vorher in L.A. dort nach Herzenslust mitnehmen, was er wollte. Dementsprechend gespannt durchforscht Klaus die Stapel und entdeckt plötzlich ein ganz besonderes Schild.
Ein Sonderschild, hergestellt für den New York Marathon, Mile 26. Auf die Frage, ob auch dieses den Fernwehpark zieren dürfte, muß Anthony Galgan jedoch erst noch etwas abklären. Das Schild ist ein Originalschild und Duplikate davon werden normalerweise für 250,00 Dollar verkauft.
Mit Freude präsentiert Klaus Beer ein Paket, das mit auf die Rückreise nach Deutschland geht. Schilder von New York City. Schon jetzt darf verraten werden, das sich auch das Marathon Schild darin befindet. Ein Schilderschatz!
Klaus ist überglücklich und bedankt sich nocheinmal recht herzlich für die Schildergeschenke und die überaus freundliche Aufnahme des New Yor City Department of Transportation und die tolle Führung durch Mr. Anthony Galgan.
Im Bild von links: Deputy Chief Anthony Galgan, Klaus Beer, Director Manufactoring Patrick Ambrogio und Supervisor Manufactoring John Wenz.
Wir versprechen, dass die New York Schilder einen tollen Platz im Hofer Fernwehpark finden werden und so auf viele Jahre hinaus Besucher aus aller Welt an "Big Apple" erinnern und - einfach "Fernweh" auf NEW YORK CITY machen.
Als wir uns verabschieden, mit dem schweren Schilderpaket unter dem Arm, fragen wir nach der nächsten U-Bahn Station nach Manhattan. Doch die ist weit weg. Zu weit, um die Schilder dorthin schleppen zu können. Kurzentschlossen schnappt sich ein Mitarbeiter des Departments of Transportation, John Wenz", einen Firmenwagen und bringt uns zu der U-Bahn. Danke nochmal für diese wunderbare Gastfreundschaft.
Und so sieht der neue Fernweh-Pfahl mit den brandneuen New York Schildern aus. Neben dem bereits bestehenden Pfosten mit der großen New York City Ortstafel und der Gedenktafel zum 11. September, dem NYC-New York City Memorial Day, hat Klaus Beer bereits angebrachte Schilder versetzt und einen völlig neuen NEW YORK CITY FERNWEH PFAHL kreiert. "Wall Street, "Times Square" und "Broadway" lassen grüßen! Wer da beim Bummel durch den Fernwehpark nicht Lust auf "Big Apple" kriegt?
Fast wie ein Wolkenkratzer in New York, ragt der NYC-Pfahl in den wolkenverhangenen Himmel des Hofer Fernwehparks und die Schilder scheinen sich fast im Nebel zu verlieren.