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BRASILIEN - Statt Sambafeeling Plattdeutsch klönen.

Multikultureller geht's wirklich nicht. Der "Beach Boy" - Strandwärter von BRASILIEN ist ein Sachse und lernt gerade Plattdeutsch. Damit ihn die Badegäste auch verstehen. Und KALIFORNIEN liegt gerade 200 Meter entfernt. Wenn das nicht zweifacher Grund ist, im Fernwehpark Deutschland "Signs of Fame" und dazu nochmals in der Sparte "Außergewöhnliche deutsche Ortsnamen" vertreten zu sein?

BRASILIEN besteht kaum mehr als aus einer Handvoll Häuser - KALIFORNIEN ist etwa 60 Einwohner stark und wächst im Sommer auf das zwanzigfache der Bevölkerungszahl an. Zwei winzige Ferienorte an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste, zur Gemeinde Schönberg gehörend. Knapp 100 Kilometer sind es bis Hamburg, etwa 170 bis zur dänischen Grenze. Vom Ortsschild bis zu den Wellen der Ostsee misst "Kalifornien" in der Breite etwa 200 Schritte. In der Länge bringt es das Örtchen auf zweieinhalb Küstenkilometer - gesäumt von Ferienhäusern, ein paar Gaststätten und mehreren kleinen Hotels. Auch ein paar Surfbrettverleiher findet man hier.

Klaus Beer mit dem Schild von Brasilien

Dieter Winkler ist ehrenamtlich stellvertretender Bürgermeister der Gesamtgemeinde und hat seinen Wohnsitz in Kalifornien. Obwohl er nie im "gelobten Land" Kalifornien in den USA war, sind ihm sämtliche Poststempel von der US-Westküste vertraut. Denn unter seinen Briefen sind regelmäßig Irrläufer, die aus Versehen den weiten Weg über den Atlantik nahmen, ehe sie endlich stempelübersät im eigentlichen Bestimmungsort landen: Kalifornien/Holstein.
Im Juli/August können die beiden Orte ihren US-und Südamerika Namensvettern jedoch fast das Wasser reichen: Leichtgeschürzte Skater wie in Venice Beach/L.A. rauschen über den Asphalt der Deichpromenade, Surfer reiten die Brandung aus, Segler ziehen ihre Bahnen, und am Strand tummeln sich Sonnenhungrige wie in San Diego oder Rio de Janeiro.

Eigentlich könnten die beiden Orte tüchtig mit den Attributen der beiden weltbekannten Namen werben. Doch statt Surfbrettern, Westcoast-Music, Beach Boys Ohrwürmern oder einem Samba-Festival alá Rio gibt es hier nur Wattenwürmer und ein paar urig nordische Kneipen wie "Meine Ostseemelodie" oder das Hotel "Seestern."

Klaus Beer mit dem Schild von Kalifornien

Wie der Name "Kalifornien" und "Brasilien" hier am Strand, wo die Ostseewellen rauschen, entstand? Ein Fischer vom Selenter See im Hinterland hat der Legende nach Mitte des 18. Jahrhunderts begonnen, an diesem noch menschenleeren Küstenabschnitt auf Fangfahrt zu gehen. Er baute sich eine Hütte am Strand und nagelte, so die Sage, eine Planke mit dem Namen eines gestrandeten spanischen Schiffs über die Tür. "California".
Der Bruder dieses Ur-Kaliforniers wollte dahinter nicht zurückstecken und ebenso exotisch hausen: Er pinselte "BRASILIEN" über die Tür seiner Fischerhütte. Erstmals auf Landkarten tauchte der Name "Kalifornien" 1872 auf, "Brasilien" zog ein Jahr später nach.

Klaus Beer mit beiden Schildern

Beide Schilder sind heißbegehrt. Doch die Metalltafel an der Zubringerstraße mit den magischen elf schwarzen Buchstaben "Kalifornien" ist seit Jahren Rekordhalter: Schleswig-Holsteins meistfotografiertes und zugleich meistgeklautes Ortsschild.

"Schon zum zweiten Mal innerhalb einer Woche ist das Ortsschild von Kalifornien gestohlen worden", sagt Friedrich Henning, Kurdirektor von Kalifornien. Jede Saison muß er mehrmals den Bautrupp der Gemeinde anfordern und ein neues Schild aufstellen lassen. "Jetzt verschweissen wir es gar nicht mehr mit dem Pfosten. So bleibt wenigstens dieser stehen."

Als er jetzt einen Anruf von Fernwehpark Initiator Klaus Beer erhielt - "Wollen Sie, dass KALIFORNIEN endlich einmal eine Bleibe findet, in der es ordnungsgemäß seines normalen Standorts entfremdet im Mittelpunkt der Medien und Besuchern aus aller Welt steht?" - war Hennig sofort begeistert. Er erkannte mit PR-Weitblick den hohen Werbeeffekt für seinen Kurort und sagte sofort zu. Binnen weniger Tage traf das Ortsschild in der "Fernwehstadt" Hof ein, ein neuer Querpfosten wurde errichtet und KALIFORNIEN und BRASILIEN stehen nun, an vorderster exotisch-kurioser Schilderfront, im Rampenlicht der Medien und Besucher aus aller Welt.

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