Sekt, Konfekt und Fanfarenstöße für einen Geburtstagspfahl
Diesmal ging es nicht um ein "besonderes" Schild, sondern um ein besonderes Event zu einem ganz besonderen Pfahl. 180 Pfosten gibt es z.Z. im Hofer Fernweh-Park, davon gehören 87 ganz bestimmten Leuten, denn die Pfähle kann man auch spenden oder verschenken. Zum Geburtstag vielleicht, zur Geburt des Sohnes oder Töchterchens oder zu einem Jubiläum. Der Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Was man tun muß, um jemand damit eine aussergewöhnliche Freude zu machen, erfährt man HIER.
Der Pfostenspender und der Beschenkte erhalten dazu eine Plakette mit ihren Namen und Anlaß, und auch Firmen oder Institutionen können sich hier einbringen, obwohl sonst Firmenwerbung nicht gestattet ist. Auf der Plakette dagegen kann sie selbstverständlich zum Ausdruck kommen.
Die Ideen für solch ein aussergewöhnliches Geschenk sind vielfältig. Da gratulierte z.B. eine Tochter ihren Eltern mit einem Pfahl zum 65. (!) Hochzeitstag. Bei jedem Spaziergang können sie sich nun daran erfreuen. Ein andermal erschien man im Brautkleid (denn wer hat schon Hochzeitsbilder, wo einem die ganze Welt gratuliert) oder der Stammtisch "Hotzenplotz" rückte an. Älteste Teilnehmer: 84 und 92 Jahre. Ein Pfahl wurde sogar einem Berner Sennenhund namens Silas gewidmet. Und immer, wenn Herrchen mit dem Hund unterwegs ist, führt er Silas zu seinen Pfosten. Herrchen freut sich, doch Silas kann sich meistens gar nicht so recht begeistern. Denn immer wenn er das Bein hebt, wird er von Herrchen weggezogen...
Eine ganz besondere Geschichte aber spielte sich um das Geburtstagsgeschenk von Oliver Bittner ab. Oli Bittner, seines Zeichens Filmemacher und beruflich bei dem TV Sender RTL tätig, erhielt von seiner Mutter zu seinem Geburtstag einen Pfahl geschenkt, um den sich folgendes tolle Event rankt.
Ein großer Tag für Oli, der zu dem Ereignis viele Freunde eingeladen hat. Mutti, Oma, und so manche Darsteller, die schon in seinen Filmen vor der Kamera standen.
Alle sind gekommen und bringen gute Laune mit. Mutti Bittner reicht Konfekt und man hat für den ganz besonderen Augenblick, wenn die letzte Schraube an der Plakette in den Pfahl gedreht wird, sogar eine Flasche Sekt dabei. Doch damit nicht genug. Ein junges Mädchen steht mit einer Trompete parat, um bei der letzten Schraubendrehung eine kräftige Fanfare zu schmettern.
"Das ist das gute Stück, das an meinem Pfahl angebracht wird." Stolz präsentiert Oli seine Plakette. Nach dem offiziellen Erinnerungsfoto, das in ein regelrechtes Foto-Shooting ausartet, zieht sich der Hauptakteur mit seinen Gästen feierlich in die Mitte des "Schilderwalds" zurück, wo das Ereignis stattfinden soll.
Oliver war bereits früh am Morgen ganz alleine am Fernweh-Park gewesen, durchschritt alle Pfostenreihen und überlegte, welcher Pfahl für ihn am geeignetsten wäre. Vorallem, welcher noch frei ist und in irgendeiner Weise ein Symbol beeinhalten könnte.
Während die Enten auf der nahen Saale schnatterten, die Vögel zwitscherten und langsam die Sonne die Morgennebel durchbrach, hatte Oliver eine Eingebung. Er bemerkte, dass die Gehwege des in Schneckenform angelegten Fernweh-Parks sich wie eine Spirale zu einem Mittelpunkt zusammenzogen.
Andächtig lauschen die Gäste Olis Ausführungen zu seiner Vision: "Ich war ganz alleine, sinierte über die Welt und betrachtete die vielen Städtenamen aus Afrika, Asien und Amerika, die man hier wie im Filmschnitt einfach aneinandersetzen kann. So ähnlich auch begann meine Faszination, Filme zu drehen und damit die Welt 'manipulieren' zu können. Ich war als Jugendlicher mit meinen Eltern in Amerika unterwegs, filmte damals in Super 8 und nahm mir aus Kostengründen vor, jeden Tag nur eine Kassette zu verbrauchen. So hatte ich von der Reise nur Fragmente. Gut so, denn mir fehlte das Zwischenmaterial. Zuhause beim Schnitt merkte ich dann, wie ich die Zeit beeinflussen, räumliche Trennung durch einen einzigen Schnitt zu eliminieren vermochte. Klack - ich konnte mit der Klebepresse San Franzisco an New York hängen und damit Tausende von Meilen dazwischen in Nichts auflösen, Menschen in Kalifornien an einen Tisch eines Restaurants am Times Square setzen."
"Auch im Fernweh-Park kann man in Minuten eine Weltreise antreten. Doch wo ist der Ausgangsort, wo das Ziel. So wanderte ich heute morgen durch die Spirale und gelangte plötzlich an den Anfang - oder war es der Endpunkt - im Innern des Schilderwalds. Für mich der Beginn - und genau dort stand ein noch jungfräulicher Pfosten. Ohne Plakette, ohne Schilder. Das ist er, dachte ich, das sollte mein Pfahl werden - der Ausgangspunkt allen Seins."
So schritt man dann ans Werk. Bewaffnet mit Akkubohrer und Schraubenzieher bringen Oli Bittner und Fernweh-Park Initiator Klaus Beer unter den aufmerksamen Blicken der Gäste die Plakette an.
Bei der letzten Umdrehung der Schraube ertönt die Trompete. Weit schallt das Signal hinaus in den Schilderwald und übertönt auf der Straße noch die vorbeifahrenden Autos. Neugierig bleiben die Passanten stehen. Was da nur wieder los ist, mitten drin in den dichten Pfostenreihen der Schlider?
Die Spannung fällt ab. Oliver, der zugibt, bei der Aktion ("Ich habe so etwas noch nie gemacht") etwas aufgeregt gewesen zu sein, lädt ein zum Sektempfang.
Die "Blues Brothers" im Schilderwald. Ganz cool schauen Oli und sein Freund hinter dem noch leeren Pfahl, seinem Pfahl, hervor. Welche Schilder hier wohl einmal hängen werden? Von welcher Stadt man einmal die Reise um die ganze Welt antreten wird?
Ein tolles Event. Oli freut sich wie man sieht und überlegt zugleich ernsthaft, hier einmal einen Film zu drehen. "Ich bin toll inspiriert", sagt er, "ich denke dabei an ein Ballett, von oben zwischen den Pfostenreihen gefilmt...die Spirale, die exotischen Schilder, der Reiseantritt von meinem Pfosten um die ganze Welt..."
Wie ein junges Reh im (Schilder)-Wald. Oli überglücklich. "Danke für das tolle Geburtstagsgeschenk".